Fachbereich 3

Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik


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Fachtag: Musik - Sprache - Identität

Potenziale musikalisch-kultureller Bildung mit Blick auf den Zweitspracherwerb und Kulturelle Identität geflüchteter Jugendlicher: Konzepte - Forschung - Fortbildung

Fachtag am Freitag, 28. April 2017 an der Universität Osnabrück 

Film zum Fachtag

Die Integration der Menschen, die in großen Migrations- und Fluchtbewegungen nach Deutschland kommen, ist eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen seit der Wiedervereinigung. Entscheidende Erfolgsbedingungen für eine gelingende Eingliederung in die Aufnahmegesellschaft sind dabei ein schneller und konstruktiver Spracherwerb sowie ein positives Selbstkonzept/Motivation und der Aufbau einer neuen kultureller Identität. Die konstruktive Gestaltung einer sich stets verändernden multikulturellen Gesellschaft gelingt aber umso besser, wenn das gemeinsam geschieht.

So hatte das Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik der Universität Osnabrück am 28. April 2017 zum Fachtag "Musik-Sprache-Identität" zum gemeinsamen Thema ein ganz heterogenes Publikum eingeladen und 23 Referent*innen sowie über 130 Teilnehmer*innen waren der Einladung gefolgt. Entsprechend der Struktur des Fachtages, die sich an den Säulen "Konzepte - Forschung - Fortbildung" orientierte, kamen Musiklehrer*innen von allgemeinbildenden Schulen, in deren Klassen zunehmend auch geflüchtete Jugendliche mit geringen Sprachkenntnissen sitzen, sowie Akteure der außerschulischen musikalischen Arbeit. Es kamen wissenschaftlich arbeitende Menschen, die in der laufende Forschungsprojekte, Studien oder Forschungsergebnisse präsentierten und diskutierten, Vertreter*innen der Bildungspolitik und des Niedersächsischen Kultusministeriums. Und schließlich nutzten auch viele Sprach- und Klassenlehrer*innen, die zwar nicht musikalisch ausgebildet sind, aber in ihrem Unterricht gerne mehr Musik einsetzen möchten, die Chance sich auf einfachen Wegen musikalisch fortzubilden.

Zur Forschung

Zu Konzeptionellem/Best Practice

Zur Fortbildung für MusiklehrerInnen

Zur Fortbildung für Sprach- und KlassenlehrerInnen (Nicht-Musiker)

Der thematische Fokus richtete sich an diesem Tag vor allem auf geflüchtete Jugendliche, denn – der gesellschaftlichen Situation in der BRD entsprechend – beziehen sich bisherige Konzepte und Forschungen zum musikbezogenen Spracherwerb vor allem auf den Elementar- und Primarbereich. So konnten auf dem Fachtag vielfältige Möglichkeiten kennengelernt und Denkanstöße gegeben werden, wie auch mit Jugendlichen musikbezogene Elemente von Sprache (Sprachrhythmus, Sprachmelodie, Intonation, Klangfarbe, Aussprache, Akzente oder Pausen) kreativ, humorvoll und gründlich geübt werden können.

Doch eine musikalisch-kulturelle Bildung kann – über den Zweitspracherwerb hinaus – noch an einer ganz anderen Stelle hilfreich sein, nämlich bei der Reflexion und der Konstruktion zu Fragen der eigenen kulturellen Identität (und der von anderen Menschen). Eine wesentliche Herausforderung für die geflüchteten Jugendlichen nämlich besteht auch darin herausfinden, wer man war, wer man in Zukunft sein wird, wer so ist, wie man selbst und zu welchen man gehören möchte – Fragen, die sich alle Jugendliche in der Pubertät stellen, die nun aber in besonderer Weise thematisch werden.

Hier kann die Einsicht, dass man – musikalisch – nicht nur an einem, sondern an vielen musikalischen Orten zu Hause ist (z.B. von arabischem HipHop über westeuropäische Kunstmusik bis hin zur Improvisation- und Jazzmusik wie auf dem Osnabrücker Morgendlandfestival) helfen, sich selbst als Mensch zu verstehen, der auch im übrigen Leben in unterschiedlichen Kulturen seine Heimat finden kann.

Auf dem Fachtag wurden dazu Möglichkeiten gezeigt, wie mit einer Lerngruppe ein eigener Song geschrieben, komponiert, geübt und präsentiert werden kann. Und dass so ein ehrgeiziges Projekt wirklich funktioniert, zeigte eine Sprachlernklasse des Berufsschul-zentrums Westerberg, die zur Begrüßung "ihren" Song zum Thema Freundschaft vorführte: Als Du und Ich wurde ein Wir. Des weiteren bewies auch die Osnabrücker Band La Cicinatella (Georg. Glühwürmchen), die schon seit vielen Jahren über Grenzen fliegt und die vitale und farbenfrohe Musik Georgiens und des Balkans mit dem spielerischen Geist des Mittelmeerraumes verbindet, dass Musik, die kulturelle Vielfalt zelebriert, auch unsere Gesellschaft sehr bereichert. 

Für alle Interessenten soll bis zum Ende des Jahres eine Tagungsband bereit gestellt werden, der über den Helbling-Verlag bezogen werden kann.

Dass dieser Fachtag möglich wurde, verdanken wir auch der Kooperation mit dem Bundesverband Musikunterricht Niedersachsen und der finanziellen Unterstützung durch die Friedel & Gisela Bohnenkamp-Stiftung, durch Hauptsache Musik (Land Niedersachsen) sowie die Stadt und den Landkreis Osnabrück.